Montag, 13. November 2017

Doppelrezension

Liebe ist was für Idioten. Wie mich."
&
So was passiert nur Idioten. Wie uns."
von Sabine Schoder


Liebe ist was für Idioten. Wie mich."
Broschiert, 352 Seiten
 FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch (August 2015)
ISBN-13: 978-3733501518

So was passiert nur Idioten. Wie uns."
Broschiert, 368 Seiten
FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch (September 2017)
ISBN-13: 978-3733504281

Zur Website der Autorin



Nachdem ich diesen Sommer „Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ gelesen hatte, habe ich mir vorgenommen, eine Doppelrezension zu schreiben, wenn Band 2 – „So was passiert nur Idioten. Wie uns.“ erschienen ist.
Ehrlich gesagt war es  zum Teil auch eine Aufschiebetaktik, denn ich kann mich an kein Buch erinnern, das so schwierig zu beurteilen war, weil man einfach so vieles noch nicht verraten darf.  But here we go:

Band 1:

Worum geht's?


Vikis Leben war noch nie besonders nett zu ihr, aber das dürfte ein neuer Tiefpunkt sein: Eine Nacht mit Jay, dem Sänger von Major Malfunction, den sie eigentlich ziemlich ätzend findet. Und das nur, weil sie zu viel Gras geraucht hat.
Was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Auch Jays Leben ist gerade alles andere als fair zu ihm, und: Manchmal kann ein Tiefpunkt auch der Beginn von etwas besonderem sein …



Wie es mir gefallen hat:



Die vielen positiven Rezensionen versprechen hier absolut nicht zu viel. Vikis und Jays Geschichte ist dramatisch, bestürzend, mitreißend und ja, auch romantisch. Authentisch und lebensnah, ungeschönt und doch bittersüß entfaltet sich eine Liebesgeschichte, die echte Tiefe hat.

Obwohl Viki dem Leben so pessimistisch gegenübersteht (wofür sie allen Grund hat), schleicht sie sich ins Herz der Leser. Sie hat bereits Schlimmes durchmachen müssen und hat immer noch zu kämpfen, doch auch wenn sie all das schwach werden lässt, bleibt sie stark.
Die Ich-Perspektive hat mich mitten in Vikis Leben mit hineingezogen und der Humor, der sich durch jede ihrer Aussagen zieht, ist wirklich unbezahlbar.
Es ist schön, sie und auch die anderen Charaktere aneinander, an Glück und Schmerz und am Leben wachsen zu sehen. 

Neben der Liebesgeschichte ist es vor allem Jays Geheimnis, das die Handlung trägt. Hier darf lange spekuliert und gehofft und gebangt werden, bevor die Bombe platzt, und selbst als sie platzt, ist der Ausgang der Dinge vollkommen ungewiss. Auch in diesem Punkt ist der Roman sehr gelungen.

Ein Detail, das ich sehr mochte und daher erwähnen möchte, sind die Kapitelüberschriften, die jeweils kurz, knackig und witzig-charmant einen Ausblick auf die Geschehnisse geben.

Einzig und allein in Bezug auf das Ende bin ich zwiegespalten. Ohne Frage ist es geschickt gemacht und setzt alles auf den größtmöglichen Schockmoment. Obwohl ich diesen Effekt sehr gut finde und die letzten Seiten geradezu fieberhaft gelesen habe, mag ich es persönlich nicht so gern, als Leser von Ereignissen ausgeschlossen zu werden, und das passiert hier - sowohl durch die Ich-Perspektive bedingt, als Viki dann mehr weiß als der Leser, als auch durch den großen Zeitsprung zwischen Ende und Epilog - sehr extrem.

(Für wen) Lohnt es sich?



Wer gern realistische Liebesgeschichten mit unvorhersehbarem Ausgang liest, die sich im Jugendbuchgenre bewegen, bekommt hier eine der besten, mit denen der deutsche Buchmarkt aufwarten kann.

In einem Satz:


„Liebe ist was für Idioten. Wie mich." ist ein erfrischend ehrliches, tiefgründiges und in allem Bitteren auch humorvolles Jugendbuch, das mitfiebern, mitleiden und mithoffen lässt - die Umsetzung des Endes ist Geschmackssache.

Band 2:


Worum geht's?

Die Welt rückt aus ihrer Wirklichkeit und lockt mich mit der Versuchung, nicht mehr an diesen Tag zu glauben. Vielleicht ist alles nur Einbildung, wer weiß, eventuell träume ich schon mein ganzes Leben. Ich will nicht mehr aufwachen, zu groß ist meine Furcht, dass diese Trugbilder sich mit der Realität decken. (S. 222)
Viki und Jay sind jetzt schon lange glücklich zusammen, aber in letzter Zeit wird Viki das Gefühl nicht los, dass ihr Freund ihr etwas verheimlicht. Er duscht zu ungewöhnlichen Zeiten und lässt die Waschmaschine laufen, wenn er glaubt, dass sie es nicht merkt. Würde er es riskieren, das, was sie haben, einfach so zunichte zu machen? 

Wie es mir gefallen hat:


Natürlich wollte ich unbedingt erfahren, wie Vikis und Jays Beziehung nach dem Finale vom ersten Band weiter verlaufen ist, nicht zuletzt, weil ich die Aussparung am Ende so fies fand.
Tatsächlich wird in diesem Buch einiges aufgearbeitet, was man als Fan noch unheimlich gern wissen wollte - so gibt es einen brillanten Prolog, der etwas aus der erwähnten Aussparung wieder aufgreift.
Auch fließen immer wieder Rückblenden zu vergangenen Szenen mit ein, über das Kennenlernen der Figuren u.Ä., die sehr schön sind, mir persönlich aber als kleine „Interludes" noch besser gefallen hätten als unmittelbar im Handlungsverlauf, da mir die Auslöser für die Erinnerungen manchmal etwas konstruiert erschienen sind.

Auch „So was passiert nur Idioten. Wie uns.“ punktet wieder mit dem schon bekannten sympathischen Humor, dem tollen Schreibstil und starken Entwicklungen der Figuren. In diesem Buch gibt es im Gegensatz zu „Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ jedoch nicht nur eine, sondern gleich eine ganze Reihe verschiedener Ich-Perspektiven.
Ich fand es im Grunde schön, so auch mal einige ganz andere Blickwinkel kennenzulernen, aber insgesamt habe ich es so empfunden, dass leider einfach nicht genug Raum war, um sie wirklich alle auszuarbeiten. Ein Fokus auf Viki und Jay hätte mir, denke ich, gereicht. Mir kamen die Perspektiven und jeweiligen Szenen für die Geschichte teils sehr unterschiedlich relevant vor. Auch sind die genialen Kapitelüberschriften von Band 1 dadurch leider nicht fortgeführt; die habe ich doch vermisst, weil sie ihren ganz eigenen Charme hatten.
Aber: Allein schon wegen Daves Kommentare hat es sich gelohnt!

Da sich der eigentliche Hauptkonflikt relativ früh erahnen lässt, war das Spannungslevel nicht ganz so hoch wie das beim Vorgängerbuch der Fall war.
Mir persönlich war es ein bisschen zu viel Drama, das hier den Ausgleich schaffen sollte - aber gut geschriebenes Drama!

Das Ende überlässt, so viel darf, denke ich, gesagt sein, einige große Entscheidungen der Fantasie des Lesers. Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir das, aber im ersten Moment war ich zugegebenermaßen ein wenig enttäuscht, keine eindeutigen Antworten bekommen zu haben.

(Für wen) Lohnt es sich?



Schönerweise funktioniert das Buch sowohl als Fortsetzung für Fans sowie auch als Einzelband für Neueinsteiger.
Wer wissen will, was aus Jay und Viki wird, kommt um dieses Buch auf keinen Fall herum, genauso wenig wie jeder, der sie noch nicht kennt, aber etwas für Liebesgeschichten übrig hat, wie auch das Leben sie schreiben würde.

In einem Satz:



Ganz anders als der Vorgänger, aber mit denselben starken Charakteren und demselben brillanten Humor zeigt „So was passiert nur Idioten. Wie uns.“ allen Fans und auch Neueinsteigern, was Liebe aushalten darf, kann und manchmal muss.


Danke für das Leseexemplar für Band 2 an den Verlag und die Begleitung der Lovelybooks-Leserunde durch die Autorin!


Montag, 30. Oktober 2017

Pretty - Georgia Clark

Rezension zu Pretty" von Georgia Clark


Broschiert, 544 Seiten
LYX (29. September 2017)
ISBN-13: 978-3736304628
Originaltitel: The Regulars
Standalone

Worum geht's?


Willow holte tief und bebend Luft. Alles begann vor ungefähr einem Monat. Krista. Jemand hat Krista etwas gegeben."
Was hat man Krista gegeben?"
Wie sollte sie ihm das nur erklären?

Chaos. Schönheit. Die Wahrheit."

(S. 483)
Evie hat ihre Prinzipien und ihre Ambitionen, aber beides kommt bei ihrem Job als Korrektorin für ein niveauloses Klatschmagazin ziemlich kurz.
Willow ist in die High Society hineingeboren, doch trotz aller guten Voraussetzungen finden ihre Fotografien kein großes Publikum und ihre Angst, es zu ernst werden zu lassen, schadet ihrer Beziehung zu ihrem Freund Mark.
Krista ist klug, aber unglaublich unzuverlässig und flatterhaft. Wie soll sie es so schaffen, jemals ihre Schulden abzubezahlen?
Als sich den Freundinnen die Möglichkeit bietet, durch einen mysteriösen Trank namens Pretty"  ein perfektes Äußeres zu bekommen, werden ihre Leben ganz schön durcheinandergewirbelt. 
Hat man es wirklich leichter, wenn man in den Augen der Welt wunderschön ist? Und kann man hinter einer perfekten Fassade noch man selbst sein? 

Was mich neugierig gemacht hat:


Auf das Buch bin ich erst durch den Newsletter des Verlags aufmerksam geworden und es hat spontan sofort mein Interesse geweckt. Erwartungen, die die (Medien-)Gesellschaft heute an junge Frauen stellt zu hinterfragen, finde ich wichtig und war gespannt, wie Georgia Clark das in ihrem Roman tut.
Rein vom ersten Eindruck ohne Inhaltstext her hätte ich wahrscheinlich nicht unbedingt zugegriffen. Das Motiv ist nicht schlecht, aber mir gefällt dieser Rosaton, der das Cover dominiert, nicht wirklich (im Gegensatz zur Abbildung in den Onlineshops wirkt er in live eher schweinchenfarben) und der weiße Rahmen wirkt ein bisschen wie ein vergessener Beschnittrand. Außerdem ist, vermutlich aufgrund des großen Seitenumfangs, sehr dünnes Papier gewählt worden. Eine etwas höherwertige Ausstattung hätte ich für das Buch passender gefunden.

Wie es mir gefallen hat:


Die Beschreibung als verrücktes, feministisch angehauchtes modernes Märchen trifft Pretty" wirklich gut. Als solches funktioniert es im Gesamtbild definitiv, auch wenn es vielleicht hier und da noch etwas hätte geschliffen werden können.

Die Perspektive wechselt personal zwischen den drei Protagonistinnen, wobei Evie jedoch den größten Raum bekommt. Diese Aufteilung hat mir insgesamt gefallen; gerade Willow hätte aber noch etwas stärker mit in den Fokus genommen werden dürfen, da sie in meinen Augen die stärksten und interessantesten Konflikte mitbringt. Während ich zu Evie ein zwiespältiges Verhältnis entwickelt habe, hat sie mich am neugierigsten gemacht und mit den meisten Fragen zurückgelassen.  Krista dagegen  nimmt die Rolle der Figur ein, die für Lacher sorgen soll - teils gelingt das auch, doch besonders bei ihr gleitet es passagenweise nah an den Rand zum Nervigen und ist mitunter übertrieben vulgär. 
Die Entwicklung der drei jungen Frauen ist in jedem Fall sehr gekonnt umgesetzt: Alle drei sammeln durch das Pretty" Erfahrungen, die jeweils zu einer Lektion fürs Leben werden. 
Das Grundthema wird überzeugend entfaltet. Mit einer mutigen Portion Kritik und Bissigkeit wird das Buch zu einem Plädoyer gegen jeden Schönheitswahn und ruft dazu auf, sich niemals auf das reduzieren zu lassen, was Fremde an einem beim ersten Eindruck wahrnehmen könnten oder sich selbst in dem zu verlieren, was die Welt gerade für angesagt hält.

Ich habe bemerkt, dass ich nicht das Bedürfnis hatte, ständig zum Buch zu greifen, aber wenn ich es einmal zur Hand genommen hatte, faszinierte mich der Grundkonflikt doch immer wieder so sehr, dass ich mehrere Kapitel am Stück lesen musste. Zu beobachten, wie die drei Protagonistinnen mit den Veränderungen umgehen, ist faszinierend.
Bei über 500 Seiten plätschert die Handlung dennoch bisweilen scheinbar ein wenig ziellos dahin.
Obwohl das große Ganze unterhaltsam ist, hätte es der Geschichte sicher nicht geschadet, an den richtigen Stellen noch etwas gekürzt oder geradliniger gemacht zu werden.  
Leider bleibt auch das Geheimnis um den Trank selbst ein wenig nebulös - der Handlungsstrang um dessen Herkunft wird nicht ganz klar zuende geführt.

(Für wen) Lohnt es sich?


Das Buch eignet sich für junge Erwachsene ab 16 Jahren, die dem Thema, was Schönheit eigentlich bedeutet, mal anders verpackt, mit Humor, aber auch dem nörigen Ernst, begegnen wollen.

In einem Satz:


Pretty" ist schräg, unterhaltsam, scharfzüngig, gesellschaftskritisch und hat eine spannende Herangehensweise an den Umgang mit Schönheitsidealen und Selbstverwirklichung, hätte aber handlungstechnisch hier und da ein wenig gestrafft werden können und ist teils unnötig obszön.


Mein Dank für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar geht an den Verlag!

Sonntag, 22. Oktober 2017

Heartbeat Rock - Mela Nagel

Rezension zu "Heartbeat Rock - Lovesong für dich"
von Mela Nagel

 eBook, 321 Seiten
digit:tales (19. Oktober 2016)
ISBN: 9783-3-401-84031-4
Preis: 3,99 €
Standalone

Worum geht's?


Clara ist Musikerin mit Leib und Seele, doch die Tage, in denen sie auf der Bühne stand, hat sie weit hinter sich gelassen. Heute versucht sie im Auftrag für JAM RECORDS aufstrebende Bands mit ihrer Erfahrung zu unterstützen. Doch ihre neuesten Schützlinge, die Jungs von "Mars Comes" machen es ihr nicht gerade leicht, und besonders Frontmann Daniel will sich von ihr nicht reinreden lassen, Bandkrise hin oder her. Nur langsam beginnt die Mauer zwischen ihnen Stein für Stein einzufallen - doch darf Clara das zulassen? Darf man hoffen, darf man lieben, darf man leben, wenn einem das Schlimmstmögliche passiert ist? 
 

Was mich neugierig gemacht hat:


Der erste Eindruck lässt hier mit einer klassischen Rockstar-Lovestory rechnen, die es zwar schon in vielen Ausführungen gibt, aber doch immer wieder unterhaltsam sein kann. 
Das Cover mag ich persönlich - es hat eine erfrischend neue Struktur und trotz des "Bühnenmoments" transportiert es auch das Schwere, Traurige, das in der Geschichte mehr Raum einnimmt, als ich zunächst vermutet hätte. Man nimmt es nur eben nicht unbedingt vor dem Lesen wahr.
Eingestellt hatte ich mich jedenfalls auf ein bekanntes Muster mit guten Dialogen und Spannungen zwischen den Figuren. "Heartbeat Rock" bietet allerdings viel viel mehr.

Wie es mir gefallen hat:


Stolze 129 Kapitel sind es, die die Geschichte hat - im ersten Moment habe ich wohl etwas verdattert auf die Inhaltsübersicht auf meinem Reader geschaut. Die hohe Zahl ist darauf zurückzuführen, dass die Autorin die Geschichte in einer besonderen Weise erzählt. Zwischen den Kapiteln finden sich immer wieder kürzere Einsprengsel, die sich mit der Handlung verweben - Erinnerungen, Nachrichten, ein zunächst parallel aufgezogener Strang rund um die mysteriösen Kamikaze-Sessions, in deren Rahmen, nicht immer ganz legal, eine besondere Art von Musik im Mittelpunkt steht. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten ;)

Es hat mich überrascht zu lesen, dass die Protagonistin Clara erst 20 Jahre alt ist - irgendwie kam sie mir beim Lesen älter vor, vielleicht auch einfach aus dem Grund, weil sie schon so viel hat durchmachen müssen. Mit ihrer Trauer, ihren Schuldgefühlen und ihrem Zurückschrecken davor, wieder ins Leben zurückzufinden, wieder zu tun, was sie liebt, ist sie sehr authentisch gestaltet.
Auch die drei Jungs von "Mars Comes" sind mir ans Herz gewachsen.
Die Entwicklung bei Clara, ihre Vergangenheitsbewältigung und ihr Ringen mit dem, was ihr widerfahren ist, ist sehr stark präsent und trifft den Leser unmittelbar. Lediglich gegen Ende hätte ich ihr manchmal gern einen kleinen Schubs versetzt, weil sie so sehr in sich selbst gefangen war. 

Sollte ich die Geschichte in der Metapher eines Songs beschreiben, dann wäre sie ein Miteinander dreier verschiedener Melodien, die zusammen eine wahre Harmonie ergeben: der klare, sanfte Grundton, der lange Zeit etwas Klagendes an sich hat  und in den sich nach und nach die ruhigen, hellen Töne der Liebesgeschichte einfügen, begleitet von einem dritten, spannungsgeladenen Element, das immer schneller wird.

(Für wen) Lohnt es sich?


"Heartbeat Rock" ist ein Muss für jeden, der auf der Suche nach einer tiefgründigen Geschichte im Musik-Business ist, in der starke Charaktere zu noch stärkeren Charakteren werden und Liebe, Freundschaft und Zusammenhalt nicht zu kurz kommen.
Nicht nur für Jugendliche eine geniale Lektüre!

In einem Satz:


Mit viel Gefühl und spürbarer Liebe zur Musik entführt "Heartbeat Rock" direkt nach London und gibt dem Leser die Chance, die Figuren auf einem nicht ganz leichten Weg zu begleiten, im Herzen einen Rhythmus, der noch lange nachhallt.

Samstag, 7. Oktober 2017

Falling Kingdoms 4 - Morgan Rhodes

  Rezension zu "Falling Kingdoms - Eisige Gezeiten"
von Morgan Rhodes

Taschenbuch, 512 Seiten
Goldmann Verlag (18. September 2017)
ISBN-13: 978-3442486403
Preis: 9,99 €
Originaltitel: Frozen Tides
Band 4 von 6


Rezension zu Band 1 - "Flammendes Erwachen"
Rezension zu Band 2
- "Brennende Schwerter"
Rezension zu Band 3 - "Lodernde Macht"

 

Worum geht's?


Die Bedrohung durch magische Mächte wird immer realer: Alle vier Essenzen sind gefunden, doch sie befinden sich in den Händen starker Gegenspieler. Cleo und Magnus, denen es immer schwerer fällt, ihre Gefühle füreinander zu leugnen, obwohl das Schicksal sie einst auf gegnerische Seiten gestellt hat, sehen sich immer mehr gemeinsamen Feinden gegenüber. Ob ausgerechnet Jonas, der so oft gescheiterte Rebell, sich als Verbündeter erweisen könnte?
Derweil zieht Prinzessin Lucia mit Kyan, der Feueressenz, durchs Land, auf der Suche nach einem Zugang zum Heiligtum. Wird sie sich der in ihr gewachsenen Dunkelheit endgültig hingeben?
Der Blutkönig scheint einen neuen Plan zu verfolgen, der ihm die Türen zu Kraeshia, dem mächtigsten Königreich überhaupt, öffnen soll. Doch mit Amara, der rachsüchtigen Prinzessin, hat er nicht gerechnet. Wird sie ihm in die Hände spielen oder sein Verhängnis werden?

Was mich neugierig gemacht hat:


Diese Reihe war vom ersten Band an ein echter Geheimtipp für mich und ich würde ihr auf dem deutschen Buchmarkt noch viel mehr Fans wünschen.
Ich persönlich bin der Meinung, dass die Gestaltung der Buchcover ein wenig irreführend ist. Zwar handelt es sich bei "Falling Kingdoms", wie auch die Motive vermuten lassen, um High Fantasy, doch die Schwerter oder, in diesem Fall, die brennende Axt können der Komplexität dieser genialen Serie nicht gerecht werden. Das Düstere, Kämpferische ist nur eines der vielen großartigen Elemente, die in der Geschichte aufgeboten werden. Es gibt tragische Helden, tiefe Loyalitäten, skrupellosen Verrat, leidenschaftliche Liebe, faszinierende Magie und immer wieder Wendungen, die einen eiskalt erwischen.

Wie es mir gefallen hat:


Diese Fortsetzung habe ich schon sehnsüchtig erwartet und hoffe sehr, dass auch die nächsten beiden Bände wieder bei Goldmann erscheinen werden. "Falling Kingdoms" ist nämlich einer der seltenen Mehrteiler, die absolut keine Durststrecken aufzuweisen haben. Die Handlung scheint unerschöpflich, die Figuren überraschen immer wieder aufs Neue und entwickeln mehr und mehr Tiefe. Auch "Eisige Gezeiten" hat mich wieder hellauf begeistern können.

Ein winziger Kritikpunkt - wenn man das überhaupt so nennen kann - ist, dass man von einem Band zum anderen manche Details nicht mehr so präsent hat und diese nicht noch einmal in Erinnerung gerufen werden. So dauerte es auch diesmal wieder etwas, bis ich mir alle wichtigen Vorfälle aus dem bisher Geschehenen wieder zusammengereimt hatte.

Während ich in diesem Buch hauptsächlich mit Magnus und Cleo mitgefiebert habe, hat mich nebenbei der berühmte Rebell Jonas Agallon noch mal neu für sich einnehmen können.
Die Autorin hat ihnen und allen anderen Charakteren (die mittlerweile noch nicht ihr Leben verloren haben) mal wieder nichts erspart, und so gibt es auch in Band 4 wieder einen wirklich herben Verlust.
Auch die "Bösen" kommen wieder voll zum Zug. Besonders die Einblicke in Amaras Welt haben mich hier positiv überrascht, nachdem ich zunächst skeptisch war, als ich entdeckt hatte, dass es Kapitel aus ihrer Sicht gibt. 

Insgesamt bin ich ein weiteres Mal absolut überzeugt. Immer noch gibt es Stränge, von denen ich beim besten Willen nicht vorhersehen kann, wohin und wozu sie führen werden, und immer noch gibt so viel zu gewinnen und so viel zu verlieren für die Figuren, die längst mein Leserherz erobert haben.

(Für wen) Lohnt es sich?


Jedes Herz, das für Fantasy schlägt, wird "Falling Kingdoms" zum Rasen bringen. Das Guardian-Zitat auf der Rückseite, dass die Reihe süchtig mache, ist nicht wirklich eine Übertreibung. 
Für mich als eingefleischter "Throne of Glass"-Fan habe ich hier eine Geschichte gefunden, die dieser Lieblingsreihe durchaus das Wasser reichen kann.
Beginnen sollte man unbedingt am Anfang, da die Bände aufeinander aufbauen.

In einem Satz:


Morgan Rhodes ist unglaublich - auch im vierten Band lässt die Spannung kein Kapitel lang nach, und Handlung wie auch Figurenkonstellation bleiben unfassbar mitreißend.


Mein Dank für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar geht an:

Sonntag, 1. Oktober 2017

Nimm den nächsten Schritt

Stromkasten Nr. 2, 21. + 22. September 2017

Hallo zusammen :)

Wie angekündigt, habe ich lange nichts von mir hören lassen. Tatsächlich habe ich auch noch nicht den Kram zusammengesucht, der sich in letzter Zeit so angesammelt hat und den ich eventuell noch zeigen könnte... möglicherweise mache ich das mal in den nächsten Tagen. Wenn die nötige Motivation da ist.

Mittwoch, 20. September 2017

Beautiful Liars - Katharine McGee

Rezension zu
"Beautiful Liars - Verbotene Gefühle"
von Katharine McGee

Hardcover, 512 Seiten 
Ravensburger Buchverlag (23. August 2017)
ISBN-13: 978-3473401536
Originaltitel: The Thousandth Floor, 1
Band 1

Worum geht's?


Im Jahr 2118 gibt es Kontaktlinsen, mit denen man rund um die Uhr online ist, es gibt Designerbabys, es gibt Drogen, die individuell auf ihren Konsumenten abgestimmt sind und seinen Organismus sogar mit anderen verbinden können. In den großen Städten stehen Tower, deren Stockwerke die verschiedenen sozialen Schichten repräsentieren - die Reichen ganz oben, die Armen ganz unten. So auch in New York, wo Avery, Leda, Eris, Rylin und Watt zu Hause sind. Sie alle werden sich an einem schicksalhaften Abend auf einer Party im 1000. Stock einfinden. Doch nicht jeder von ihnen wird den nächsten Tag erleben ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Leider muss ich sagen, dass die Richtung, die das Marketing für die deutsche Ausgabe eingeschlagen hat, dem Buch nicht wirklich gerecht wird. Es wirkt auf eine eher junge Zielgruppe zugeschnitten; dabei sind die im Buch behandelten Themen teils sicher nicht für diese geeignet (z.B. exzessiver Drogenkonsum). Titel und vor allem Untertitel sind ziemlich beliebig. Einzig die Atmosphäre der nächtlichen Stadt unter dem Sternenhimmel fängt eine Facette der Geschichte gut ein.
Neugierig geworden bin ich also nicht über die Gestaltung, sondern über die Grundidee des Towers. Ein nicht allzu fernes Zukunftsszenario, gespickt mit fantasievollen technischen Spielereien und spannenden Intrigen - auf diese Mischung habe ich mich sehr gefreut.

Wie es mir gefallen hat:


"Beautiful Liars" hat einiges zu bieten:
- Viele Perspektiven!
Erzählt wird in der 3. Person, die Kapitel wechseln dabei zwischen Avery, dem Mädchen aus dem Penthouse, das heimlich seinen Adoptivbruder liebt, ihrer Freundin Leda, die gerade aus dem Entzug kommt, was sie aber nie zugeben würde, Eris, die plötzlich alles zu verlieren droht, was sie je wollte, Rylin, die hart arbeiten muss, um sich und ihre Schwester zu versorgen, und Watt, ein Hackergenie.
Obwohl es dem einen oder anderen am Anfang schwerfallen könnte, sich in den verschiedenen Lebenswelten zu orientieren, haben mich die vielen Wechsel sofort überzeugt.
Allerdings hätte ich mir neben Watt durchaus noch eine weitere männliche Perspektive hinzugewünscht. 

- Geheimnisse über Geheimnisse!
Jeder der Jugendlichen hat etwas zu verbergen, und auch innerhalb der Familien gibt es unschöne Wahrheiten, die nach und nach an die Oberfläche brechen. Es bleibt spannend, wie viel die Charaktere und ihre Freundschaften aushalten können ...

- Beziehungschaos!
Bei vielen Figuren ist auch unglaublich viel Raum für Gefühlswirrwarr, Verrat, Freund- und Feindschaften, Lügen und Missverständnisse.
Insgesamt herrscht eine gewisse Distanz zu den Charakteren, sodass ich nicht sagen kann, einen von ihnen besonders ins Herz geschlossen zu haben, aber natürlich hat man mit der Zeit seine persönlichen Lieblingsperspektiven.
Gerade Figuren, die keine eigene Perspektive haben, allen voran der allseits beliebte Atlas, hätte ein bisschen mehr Tiefe gutgetan.
Außerdem wirken einige Konflikte etwas zu sehr konstruiert, da sie ausschließlich darauf basieren, dass niemand Klartext redet oder Dinge unnötig aufgebauscht werden (so tragisch ist die Liebe zu einem Adoptivbruder auch wieder nicht).

- Ein Feuerwerk an fantasievollen Details!
Auch wenn die Entstehungsgeschichte und genaue Beschaffenheit des Towers und der "Außenwelt" nicht in allen Einzelheiten erklärt werden, hat die Autorin hier ein innovatives, atemberaubendes Setting entwickelt. Unglaublich vielfältige technische Erfindungen, Equipment für Schule, Freizeit und besondere Anlässe, die Infrastruktur im Tower, die Ausstattung der Wohnungen und vieles mehr sorgen hier für grandiose Unterhaltung, auch wenn die Handlung hin und wieder etwas abflacht.

- Ein unvorhersehbares Finale!
Das Ende kommt mit einem großen Knall. Obwohl man von Seite 1 an weiß, dass jemand sterben wird, jemand von den Hauptcharakteren, bleibt bis zum Schluss ein Rätsel, wer es sein und unter welchen Umständen es passieren wird.
Für die Fortsetzung bleibt einiges an Stoff und ich bin schon gespannt darauf, wie nach dem Tod einer der Hauptfiguren die Fäden weitergesponnen werden.

(Für wen) Lohnt es sich?


"Beautiful Liars" lohnt sich für jeden, der Lust auf Geheimnisse und Lügen in der Welt der Schönen und Reichen hat, gern Geschichten aus mehreren Blickwinkeln mit verschiedenen Handlungssträngen liest und ein schillerndes, neues Setting entdecken möchte.
Das Buch ist sehr unterhaltsam, eine allzu tiefsinnige Handlung sollte man hier aber nicht erwarten.
Altersmäßig würde ich es ab 15 + ansetzen und auf jeden Fall auch für junge Erwachsene empfehlen.

In einem Satz:


"Beautiful Liars" vereint ein einzigartiges, glamouröses Setting mit Lügen, Geheimnissen, Liebe und Tragik und wird damit zu einem absoluten Unterhaltungs-Pageturner.

 

Herzlichen Dank für das Leseexemplar und die Organisation der Leserunde
im Rahmen der Aktion #readravensburger
an den Verlag und Lovelybooks!

Samstag, 9. September 2017

The School for Good and Evil 1 - Soman Chainani

Rezension zu
"The School for Good and Evil - Es kann nur eine geben"
von Soman Chainani


Hardcover, 512 Seiten
Ravensburger Buchverlag (23. September 2015)
ISBN-13: 978-3473401277
Band 1 von 3

Worum geht's?


Sophie freut sich schon seit Jahren darauf, dass der Schulmeister sie aus dem verschlafenen Dorf Gavaldon entführen wird, damit sie ihre Ausbildung zur richtigen Märchenprinzessin an der Schule der Guten beginnen kann.
Agatha hat nur eine einzige Freundin: Sophie. Sie selbst erfüllt alle Eigenschaften für die typische Böse - sie ist hässlich, wenig graziös und lebt in einem Haus beim Friedhof. 
Es kommt, wie es kommen muss, und der Schulmeister holt beide Mädchen. Doch Sophie wird in die Schule für Böse gesteckt, während Agatha sich zwischen angehenden Prinzessinnen wiederfindet. Da kann es sich doch nur um eine Verwechslung handeln, oder?

Was mich neugierig gemacht hat:


Ich mag Märchen, ich mag Märchenadaptionen, und auch wenn ich mich mehr im YA-Bereich zu Hause fühle, konnte ich bei diesem Buch, das eigentlich in erster Linie eine jüngere Zielgruppe ab ca. 12 Jahren anspricht, nicht widerstehen. 
Ich war sehr neugierig, wie die Ausbildung der Guten und Bösen in den beiden Schulen wohl aussehen würde, und außerdem hat das Cover mich gereizt. Der illustrative Stil gefällt mir sehr gut und passt wunderbar zum Buch.

Wie es mir gefallen hat:


Lang hat das Buch nicht gebraucht, um mich in seinen Bann zu ziehen. Schon nach wenigen Seiten ließ sich erahnen, wie ideenreich der Autor die Welt seiner Geschichte gestaltet hat. Auf raffinierte Weise schafft er alle Bedingungen für ein Märchen und versieht dabei jedes Detail augenzwinkernd mit einer gewissen Skurrilität oder einem ironischen Verweis auf diverse Klischees.
Die Figuren sind, passend dazu, zunächst sehr karikativ gezeichnet: die strahlende, etwas oberflächliche Sophie auf der einen Seite, die unliebsame, schmutzige Agatha auf der anderen. Auch hier greift der Autor tief in die Klischeekiste und spielt gekonnt mit den Eigenschaften typischer Märchenfiguren.

Ich weiß nicht, wie oft ich beim Lesen lachen musste, aber ich kann sagen: sehr oft. Es ist wirklich unglaublich, wie viele witzige Einfälle hier eingebracht werden. Der Unterricht, die Schüler, das Wetteifern der Mädchen um die Prinzen - die Geschichte ist zum Schreien komisch, und gleichzeitig gibt es auch immer wieder tiefere Momente, in denen es um große Fragen geht wie: Wie viel Macht haben die Vorstellungen und Vorurteile anderer über uns? Was kann eine Freundschaft aushalten, wie weit kann sie gehen? Kann man dem Weg entgehen, der für einen vorgezeichnet scheint?
Soman Chainani hat die Entwicklung beider Protagonistinnen sehr überzeugend aufgerollt und vermittelt dabei klare Botschaften an die Leser. Die Spannung kommt dabei auch nicht zu kurz und die Lust auf die Folgebände wird auf jeden Fall geschürt.

(Für wen) Lohnt es sich?


"The School for Good and Evil" lohnt sich für alle jungen und junggebliebenen Märchenfans, die vor einem dicken Schmöker nicht zurückschrecken und die Freundschaft,  Fantasie, Humor und Abenteuer groß schreiben.

In einem Satz:


Der Auftakt der "The School for Good and Evil"-Reihe ist unterhaltsam, süß, fantasievoll, originell und nimmt so manches Klischee gewaltig aufs Korn, ohne dass die Geschichte dabei an märchenhaftem Charakter verliert.
 

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